Warum mir die Frage wichtig ist

Als jemand, die jahrelang mit Schafen gearbeitet hat und heute Käuferinnen, Designerinnen und kleine Manufakturen berät, höre ich immer wieder dieselben Fragen: «Ist das wirklich eine regionale Schafrasse?» oder «Woran erkenne ich, ob die Wolle wirklich lokal ist – oder nur ein Marketingversprechen?» Für ehrliche Kreisläufe und faire Preise ist diese Unterscheidung zentral. Hier teile ich praktische, leicht umsetzbare taktile Tests und einfache Labor-Methoden, die du selbst anwenden oder in Auftrag geben kannst, um mehr Sicherheit beim Einkauf zu bekommen.

Was bedeutet «echt lokal» bei Schafrassen?

Echt lokal heißt für mich: Wolle stammt von Schafen, die in der Region gezüchtet, geschoren und zumindest teilweise weiterverarbeitet wurden. Eine «lokale Rasse» hat oft charakteristische Fasermerkmale — Feinheit, Struktur, Stapellänge, Glanz und Geruch — die sich aus Genetik, Futter und Klima ergeben. Diese Merkmale lassen sich mit einfachen Mitteln ertasten und teilweise messen.

Taktile Tests, die ich selbst mache

Bevor ich ins Labor gehe, beginne ich mit meinen Händen. Oft lässt sich schon sehr viel erkennen.

  • Haptik und Griff: Reibe die Faser zwischen Daumen und Zeigefinger. Ist sie weich und fedrig (feine, zarte Merinotypen) oder eher „kratzig“ und robust (Kämmwolle, Bergschafe)? Lokale Bergschafrassen fühlen sich oft etwas rauer an, haben aber mehr Struktur und Formstabilität.
  • Stapellänge testen: Ziehe ein kleines Vliesstück auseinander. Kürzere Stapele (unter 60 mm) deuten auf feine, dichte Rassen; längere Stapele (80–150 mm) auf Langwolltypen. Länge beeinflusst Spinnbarkeit und Einsatzbereich.
  • Elastizität und Rücksprung: Dehne eine Faser leicht und lass sie los. Springt sie zurück? Gute Rückstellfähigkeit ist typisch für frisch geschorenes, kräftiges Schafvlies mit intakter Kortexstruktur.
  • Griffigkeit bei Strangwolle: Rolle den Strang in der Hand. Lokale, unbehandelte Wolle hat oft mehr „Reibung“ zwischen den Fasern—das ist praktisch beim Verfilzen oder Nassfilzen.
  • Geruchstest: Rieche an ungesponnener, ungewaschener Wolle. Ein leicht erdiger, grasiger Geruch spricht für regionale Weidehaltung. Starker chemischer Geruch deutet auf intensive Verarbeitung oder Fremdstoffe hin.
  • Einfache Heim‑Labormethoden (ohne teure Ausrüstung)

    Es gibt Tests, die du mit minimaler Ausrüstung zu Hause durchführen kannst. Sie liefern Hinweise — keine endgültige Rassebestimmung, aber sie helfen beim Screening.

  • Brenntest: Nimm ein Faserende (ein paar Fasern) und halte es mit einer Pinzette an eine Flamme. Wolle brennt langsam, glimmt und hinterlässt eine schwarze, zusammenknüllbare Asche, die nach verbrannter Haar erinnert. Synthetische Fasern schmelzen und riechen nach Plastik. Achtung: Sicherheit! Immer im Freien oder über einer feuerfesten Fläche testen.
  • Filztest (Nassfilzprobe): Reibe ein kleines Vliesstück mit ein paar Tropfen Seifenlauge zwischen den Händen. Wolle, die gut verfilzt, gehört meistens zu Schafrassen mit geschuppter Schuppenstruktur und guter Verfilzbarkeit — wichtig für Teppiche und Filzprodukte.
  • Wasseraufnahme: Lege ein Faserbündel in lauwarmes Wasser. Wolle saugt Wasser auf und fühlt sich schwerer an. Synthetik bleibt oft leichter und perlt ab. Manche regionale Rassen haben höhere Fettanteile (Lanolin) — das wirkt wasserabweisend und lässt das Wasser langsamer eindringen.
  • Mechanischer Widerstand: Ziehe vorsichtig an einer Faser. Wo bricht sie? Eine saubere Bruchkante und elastischer Widerstand sprechen für intakte, gesunde Faserstrukturen.
  • Einfache mikroskopische Untersuchungen

    Ein stabiler Handmikroskop (40–200x) kostet nicht viel (Marken wie Bresser oder Celestron haben günstige Modelle). Damit kannst du viel erkennen:

  • Schuppenstruktur: Wolle zeigt bei höheren Vergrößerungen die charakteristischen Schuppen (Cuticles). Die Dichte und Form der Schuppen geben Hinweise auf die Verfilzbarkeit und manchmal auf die Rassegruppe.
  • Krimp (Crimp): Achte auf die Wellungsfrequenz pro Zentimeter. Feine Rassen haben enge, regelmäßige Krimps; grobe Rassen haben weniger oder unregelmäßigen Krimp.
  • Medulla und Farbvariationen: Manche Bergschafrassen haben eine ausgeprägte Medulla (Luftkanal) in der Faser, sichtbar als helle, innere Zone.
  • Einfache Messmethoden für Genauigkeit

    Für Beschaffungsentscheidungen lohnt sich manchmal eine kleine Messreihe. Das geht mit einfachen Instrumenten:

  • Lineal oder Messschieber: Messung der Stapellänge, Faserlänge nach Kämmen oder Waschen.
  • Digitalwaage: Bestimmung von Schmutz‑ und Fettanteil durch Trocken‑/Feuchtgewicht: Wiege das Vlies ungewaschen, wasche es in warmer Seifenlauge und wiege es erneut. Differenz gibt Hinweis auf Lanolin- und Schmutzanteile — hohe Lanolinwerte sind oft bei extensiver Weidehaltung sichtbar.
  • Micron-Simulation: Ein echtes Mikron-Messgerät (z. B. OFDA) ist teuer, aber einen groben Eindruck bekommst du, indem du mehrere Fasern nebeneinander hältst: dünne Fäden (unter ~20 µm) wirken fiederig und sehr fein; dickere Fasern fühlen sich schnell kratzig an.
  • Wenn du in ein Labor gehst — was du anforderst

    Wenn Unsicherheit bleibt oder du größere Mengen einkaufst, schicke Proben an ein Textillabor oder ein agrarwissenschaftliches Institut. Das lässt sich relativ günstig durchführen:

  • Durchschnittliche Faserfeinheit (Micron): Standardanalyse zur Klassifikation (entscheidend für Preis und Verwendung).
  • Stapellänge und Faserlängenverteilung: Wichtig für Spinnerei und Garnqualität.
  • Faserstruktur (Scales, Medulla): Mikroskopische Bestimmung.
  • Schmutz‑ und Fettanteile (Scouring loss): Prozentuale Bestimmung nach Waschen.
  • Faserbruchs- und Festigkeitsprüfung: Aussage über Stabilität und Verarbeitungseignung.
  • Praktische Checkliste für Einkäuferinnen

    Prüfung Was sie sagt Wie ich sie anwende
    Haptik/Griff Feinheit, Weichheit, Anwendungsbereich Mit den Fingern reiben; kratzig vs. weich beurteilen
    Stapellänge Spinnbarkeit, Einsatzgebiet Vlies auseinanderziehen, messen
    Brenntest Organische Naturfaser vs. Synthetik Kurzer Sicherheitstest über Flamme
    Filztest Verfilzbarkeit, Schuppenstruktur Nassseifenprobe
    Mikroskop Schuppen, Krimp, Medulla Handmikroskop verwenden
    Laboranalyse Micron, Stapel, Fettanteil Probe an Textillabor schicken

    Wenn du möchtest, stelle ich dir gerne eine Muster-E-Mail für eine Laboranfrage oder eine Checkliste für die erste Rohprobenprüfung zusammen. Für Einkäuferinnen lohnt sich diese Arbeit: je mehr Sicherheit über Herkunft und Eigenschaften, desto besser können Materialwahl, Preisgestaltung und Kommunikation nach außen sein.