Als jemand, die viel Zeit auf Höfen, in Werkstätten und bei Zertifizierungsstellen verbringt, bekomme ich immer wieder die Frage: Wie finde und bewerte ich kleine Zertifizierungsstellen (z. B. regionale Siegel)? Kleine Labels können großartige Transparenz und Regionalität bieten – aber sie bringen auch Unsicherheiten: Sind sie glaubwürdig? Wie teuer sind Audits? Welche Fragen sollte ich stellen? In diesem Artikel teile ich meine Praxiserfahrungen, Checklisten und konkrete Auditfragen, damit du mit kritischem Blick und gesundem Vertrauen entscheiden kannst.
Warum regionale oder kleine Siegel überhaupt in Betracht ziehen?
Große, internationale Zertifikate wie GOTS oder OEKO-TEX haben ihre Berechtigung. Sie bieten weithin anerkanntes Vertrauen. Kleine oder regionale Siegel können jedoch näher an lokalen Realitäten sein: Sie berücksichtigen regionale Produktionsbedingungen, kurze Lieferketten, Tierwohlaspekte, traditionelle Handwerkskompetenzen und oft soziale Belange in der Region. Außerdem sind sie flexibler und können schneller auf lokale Problemlagen reagieren. Ich habe beispielsweise erlebt, wie ein regionales Schafzertifikat innerhalb eines Jahres Kontrollelemente anpasste, um saisonale Weidepraktiken korrekt abzubilden — das wäre bei einem globalen Standard schwerer gewesen.
Erste Schritte: Wie ich eine Zertifizierungsstelle finde
Ich beginne meistens mit diesen Quellen:
Wichtig ist: Suche nach Dokumentation. Seriöse Stellen veröffentlichen Prüfmethoden, Auditkriterien und idealerweise vergangene Auditberichte (anonymisiert).
Checkliste Vertrauen: Woran ich die Glaubwürdigkeit einer kleinen Stelle messe
Diese Punkte sind für mich zwingend, bevor ich Vertrauen aufbaue:
Prüfen der Kostenstruktur: Was Audits kosten und worauf ich achte
Kleine Stellen haben oft kleinere Fixkosten, aber die Kostenverteilung kann variieren. Diese Tabelle zeigt typische Posten, die ich vergleiche:
| Kostenposten | Was ich wissen will |
|---|---|
| Registrierungsgebühr | Einmalig? Höhe und Zweck der Gebühr klar? Wird sie bei Ablehnung erstattet? |
| Auditgebühr | Stundensatz oder Pauschale? Sind Reisekosten inkludiert? |
| Folgeaudits und Überwachung | Intervalle (jährlich, zweijährlich)? Kosten für Überraschungsaudits? |
| Entwicklungs- und Schulungskosten | Bietet die Stelle Beratung oder Trainings an – kostenpflichtig? |
| Lizenzgebühren | Gibt es jährliche Lizenz- oder Logo-Gebühren für die Nutzung des Siegels? |
Ich frage immer nach einem vollständigen Kostenvoranschlag mit Beispielrechnungen für typische Betriebe (z. B. 50 Schafe, kleine Spinnerei). So vermeide ich Überraschungen.
Auditfragen: Welche Fragen ich in Vorbereitung stelle (Checklist zum Mitnehmen)
Wenn ich zu einem Audit eingeladen bin oder ein Zertifikat prüfen möchte, bereite ich diese Fragen vor:
Praktische Tipps aus der Praxis
Aus meinen Projekten weiß ich: gute Beziehungen sind wichtig, aber keine Garantie. Deshalb folge ich diesen Regeln:
Was ich selbst tun würde, bevor ich ein regionales Siegel empfehle
Bevor ich ein Siegel auf Campaignforwool empfehle oder mit ihm arbeite, kläre ich folgende Punkte persönlich:
Wenn diese Punkte zufriedenstellend sind, kann ein kleines, regionales Siegel ein starkes Instrument für Transparenz und Nachhaltigkeit sein — gerade für Konsument*innen, die Wert auf Regionalität, Handwerk und Tierwohl legen.
Wenn du möchtest, schaue ich mir gern konkrete Siegel oder Auditunterlagen an und gebe eine Einschätzung — schick mir die Links oder Dokumente, und ich beantworte die wichtigsten Fragen dazu.