Als jemand, die viel Zeit mit Schafen, Manufakturen und Marktständen verbringt, weiß ich: Kunden wollen wissen, woher ihre Wolle kommt. Ein klar strukturierter Produktpass für regionale Wolle schafft Vertrauen, vereinfacht Verkaufsgespräche und macht Transparenz sichtbar. Im Folgenden schildere ich, welche Informationen ein solcher Produktpass enthalten darf und sollte, und liefere dir eine Probevorlage, die du direkt kopieren und auf Märkten einsetzen kannst.
Warum ein Produktpass für regionale Wolle sinnvoll ist
Auf Märkten entscheiden oft wenige Informationen über den Kauf. Wenn ich einen Stand betreue, merke ich immer wieder, dass Kundinnen und Kunden Fragen zur Herkunft, Tierhaltung und Verarbeitung haben – und dass sie bereit sind, mehr zu zahlen, wenn diese Fragen beantwortet werden. Ein Produktpass ist kein Zertifikat, sondern ein klares Informationsinstrument: er dokumentiert Herkunft, Materialeigenschaften und Verarbeitungsschritte. Wichtig ist, dass die Angaben wahrheitsgemäß und überprüfbar sind.
Rechtlicher Rahmen und Datenschutz kurz erklärt
Bevor wir zur konkreten Liste kommen: rechtlich darfst du alle Informationen angeben, die du belegen kannst. Vorsicht ist bei absoluten Aussagen wie „bio“, „tierwohlgeprüft“ oder „CO2-neutral“ – solche Claims sollten durch entsprechende Zertifikate oder Verifizierungen gedeckt sein. Persönliche Daten von Produzentinnen oder Kundinnen (z. B. private Telefonnummern) dürfen nur mit Einwilligung veröffentlicht werden. Für QR‑Codes mit weiterführenden Informationen empfiehlt sich ein Impressum oder Link zur Datenschutzerklärung auf deiner Website.
Welche Angaben sinnvoll und zulässig sind
Nach meiner Erfahrung sind folgende Felder ideal. Sie geben genug Transparenz, ohne Kunden zu überfordern:
Wie detailliert muss die Verarbeitung dokumentiert werden?
Je detaillierter, desto besser – solange du die Angaben belegen kannst. Wenn die Wolle in mehreren Werkstätten verarbeitet wurde, nenne die jeweiligen Stationen und Orte. Ein Beispiel: „Schur: Schafhof Müller, Bad Doberan (04/2025); Waschen: Schäferei Waschwerk, Mecklenburg; Spinnen: Werkstatt Faserzeiten, Berlin; Färbung: NaturFarbwerkstatt, Bremen.“ Das zeigt Regionalität und lässt Rückfragen zu einzelnen Schritten zu.
Design- und Praxis-Tipps für den Marktgebrauch
Ein Produktpass auf dem Markt muss schnell lesbar sein. Ich nutze oft eine A5‑Karte pro Produkt, laminierte Zweiseitenblätter oder kleine Karten am Strang. Wichtige Hinweise wie Herkunft, Pflege und Preis sollten sofort ins Auge fallen. Ergänzend scanne ich einen QR‑Code zur ausführlichen Produktseite mit Fotos, Prozesstexten und ggf. einem kurzen Video von der Schur oder der Spinnerei.
Praktische Hinweise zur Prüfung der Angaben
Ich empfehle, die Angaben einmal im Jahr zu aktualisieren und bei jeder neuen Charge eine neue Losnummer zu vergeben. Halte Belege wie Lieferscheine, Schurerklärungen oder Fotos bereit. Für mehr Verbindlichkeit können regionale Verbände oder Kontrollstellen vereinfachte Checks anbieten – dort lohnt es sich nachzufragen.
Probevorlage: Produktpass (zum Kopieren)
| Produktname | _________________________________________ |
| Material | _________________________________________ (z. B. 100 % Schafwolle) |
| Rasse/Fasertyp | _________________________________________ |
| Herkunftsbetrieb | Name: ________________________________ Ort/Region: ____________________________ |
| Haltungsform | _________________________________________ |
| Schurdatum | _________________________________________ |
| Verarbeitung | Schritt 1: ____________________________ Schritt 2: ____________________________ Schritt 3: ____________________________ |
| Färbung | _________________________________________ (z. B. natur / Pflanzendye: Krapp) |
| Gewicht/Lauflänge | _________________________________________ |
| Garnstärke | _________________________________________ |
| Pflegehinweise | _________________________________________ |
| Los/Charge | _________________________________________ |
| Preis | _________________________________________ |
| Kontakt & Web | Website: ____________________________ QR-Code: ____________________________ |
| Zusatzinfos | _________________________________________ (Zertifikate, Allergene, Empf. Verwendung) |
Beispieltext für die Marktkarte (Kurzfassung)
Du kannst die wichtigsten Infos auch als Kurztext nutzen. Ein Beispiel, das sich gut auf einer A6‑Karte macht:
Regionale Wolle – Schafhof Müller, Mecklenburg
100 % Skuddenwolle, Schur: 04/2025. Gesponnen und gefärbt in der Werkstatt Faserzeiten (Berlin). 100 g = 220 m, empfehlenswert für Socken und leichte Pullover. Pflege: Handwäsche 30 °C, liegend trocknen. Los: 0425-SKUD. Weitere Infos & Herstellungsvideo: QR-Code.
Tipps für besondere Fälle
Wenn mehrere Betriebe an einem Produkt beteiligt sind (z. B. Wolle von verschiedenen Höfen zu einem Garn versponnen), kennzeichne das offen: „Blend aus Wolle von 3 Höfen in der Region X“ und dokumentiere die Höfe in einer erweiterten Produktseite. Bei gefärbten Garnen sollte die Art der Färbung (synthetisch, pflanzlich, Natur‑Echtfärbung) und, soweit bekannt, die verwendeten Farbstoffe genannt werden.
Auf Märkten empfehle ich: habe eine kurze gedruckte Version am Strang hängen und eine vollständige Produktseite per QR‑Code verfügbar. So bedienst du sowohl die schnelle Kaufentscheidung als auch die neugierigen Kundinnen, die sich tiefer informieren möchten.